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Internetgeschwindigkeit in Deutschland

MBit/s verstehen — und prüfen, was wirklich ankommt.

Auf jedem deutschen Angebot steht eine große Zahl: 150 MBit/s, 250 MBit/s… Viele zahlen für mehr, weil sie glauben, das Internet werde dann „schneller“. Das misst diese Zahl aber nicht. Hier steht, was sie bedeutet, wie viel du wirklich brauchst und wie du offiziell nachweist, dass deine Leitung zu langsam ist.

Was bedeuten MBit/s?

MBit/s messen eine Datenrate: die Menge an Daten, die pro Sekunde durchgeht. Das ist der Durchmesser des Rohrs, nicht die Geschwindigkeit des Wassers. Ein breiteres Rohr lässt das Wasser nicht früher ankommen — es lässt mehr auf einmal durch.

MBit/s oder MB/s? Die Verwechslung, die Angebote achtmal schneller wirken lässt

Das ist das häufigste Missverständnis. Ein Byte hat acht Bit. Angebote werden in Megabit pro Sekunde verkauft, während dein Computer Downloads in Megabyte pro Sekunde anzeigt. Man muss also durch acht teilen.

Was das konkret bedeutet
  • 50 MBit/s → ≈ 6,25 MB/s
  • 100 MBit/s → ≈ 12,5 MB/s
  • 250 MBit/s → ≈ 31 MB/s
  • 1.000 MBit/s → ≈ 125 MB/s
Warum das wichtig ist
  • Die beworbene Zahl wirkt 8-mal größer
  • Dein Browser zeigt dagegen MB/s
  • Nichts daran ist falsch: es sind zwei Einheiten
  • Aber deshalb beeindruckt „250“ mehr als „31“

In der Praxis werden diese Werte nie zu 100 % erreicht: WLAN, Endgerät und Gegenstelle nehmen sich ihren Anteil.

Wie viele MBit/s brauchst du wirklich?

Hier Größenordnungen nach Nutzung. Addiere, was bei dir gleichzeitig läuft — nur diese Summe zählt.

Kurz gesagt: Für einen Haushalt mit 2 bis 4 Personen, Homeoffice und Streaming eingeschlossen, reichen 50 bis 100 MBit/s völlig aus. Darüber hinaus ändert ein teurerer Tarif im Alltag fast nichts.

Warum dein Internet langsam ist, obwohl du für viele MBit/s zahlst

Die Zahl im Vertrag ist eine Geschwindigkeit, die bis zu deiner Wohnung kommt. Was danach passiert, liegt nicht mehr beim Anbieter.

Die drei Geschwindigkeiten in deinem Vertrag

Das ist der Punkt, den fast niemand kennt, und er ist entscheidend für deine Rechte. Ein deutscher Internetvertrag nennt nicht eine Geschwindigkeit, sondern drei — für Download wie für Upload.

Diese drei Werte stehen im Produktinformationsblatt und in der Vertragszusammenfassung, die der Anbieter dir aushändigen muss. Im Vergleichsrechner findest du bereits die zweite: die Angabe „normalerweise zur Verfügung stehend“ neben der maximalen Datenrate.

So misst du deine echte Geschwindigkeit: das offizielle Verfahren

Ein beliebiger Speedtest aus dem Netz hat gegenüber einem Anbieter keinerlei Beweiswert. In Deutschland gibt es ein offizielles und kostenloses Verfahren der Bundesnetzagentur: die Breitbandmessung Desktop-App auf breitbandmessung.de.

Damit das Ergebnis Beweiskraft hat, muss die Messkampagne genaue Regeln einhalten:

Am Ende erhältst du ein Messprotokoll, aus dem hervorgeht, ob eine Minderleistung vorliegt. Dieses Dokument — und nur dieses — dient als Nachweis gegenüber dem Anbieter.

Für mobiles Internet (LTE / 5G) gilt ein anderes Verfahren: die App „Nachweisverfahren Mobilfunk“, mit eigenen Regeln und eigenen Schwellenwerten. Nicht verwechseln.

Zu langsam? Deine Rechte: Minderung oder Kündigung

Seit Dezember 2021 gibt dir § 57 TKG echte Handhabe, wenn die gelieferte Datenrate dauerhaft vom Vertrag abweicht. Die Bundesnetzagentur hat festgelegt, ab wann die Abweichung zählt.

Beim Festnetz liegt eine Abweichung vor, wenn nur eine dieser drei Situationen eintritt — im Download oder im Upload:

Was du verlangen kannst
  • Eine Minderung des Entgelts, im Verhältnis zur Abweichung
  • Eine außerordentliche Kündigung, ohne Frist, wenn der Anbieter nicht abhilft
  • Beides wird direkt beim Anbieter geltend gemacht, mit dem Protokoll
Was du wissen solltest
  • Das Gesetz nennt keine feste Höhe: sie hängt vom Einzelfall ab
  • Die Minderung gilt ab dem Antrag, nicht rückwirkend
  • Bei Blockade: Schlichtung bei der Bundesnetzagentur
  • Die Behörde setzt einzelne Rechte nicht für dich durch

Anders gesagt: Die offizielle Messung kostet nichts und dauert drei Tage, verteilt über zwei Wochen. Liegt deine Leitung wirklich unter dem Vertrag, ist dies das einzige Dokument, das dir echte Verhandlungsmacht gibt.

Quelle: Bundesnetzagentur, § 57 Abs. 4 TKG, Allgemeinverfügung Nr. 99/2021 (Festnetz); Verfahren für Mobilfunk im April 2026 aktualisiert. Dies ist keine Rechtsberatung.

DSL, Kabel, Glasfaser: ändert der Anschluss die Geschwindigkeit?

Ja, erheblich — und die Zeile Anschlussart im Vergleichsrechner sagt es dir.

Deshalb ist ein Angebot in einer Straße verfügbar und in der Nachbarstraße nicht: vergleiche immer mit deiner genauen Adresse.

Häufige Fragen

Wie viele MBit/s braucht ein Haushalt in Deutschland wirklich?
Für einen Haushalt mit zwei bis vier Personen, inklusive Homeoffice und Streaming, reichen 50 bis 100 MBit/s völlig aus. Ein HD-Stream braucht etwa 5 MBit/s, ein 4K-Stream etwa 15 bis 25 MBit/s, ein Videoanruf 2 bis 5 MBit/s. Über 100 MBit/s hinaus ändert mehr Geld im Alltag fast nichts.
Was ist der Unterschied zwischen MBit/s und MB/s?
Ein Byte hat acht Bit. Eine Leitung mit 100 MBit/s lädt also höchstens etwa 12,5 MB pro Sekunde. Deshalb wirkt die Zahl in den Angeboten achtmal beeindruckender als die Geschwindigkeit, die dein Browser beim Download anzeigt.
Warum bekomme ich nicht die Geschwindigkeit, für die ich zahle?
Die beworbene Zahl ist eine theoretische Höchstgeschwindigkeit. Die echte Datenrate hängt vom WLAN ab (Entfernung, Wände, Alter des Routers), von deinem Gerät, vom Server auf der Gegenseite und von der Anschlussart. Bei DSL zählt die Entfernung zum Verteiler, bei Kabel wird das Netz mit der Nachbarschaft geteilt — daher die Verlangsamung am Abend.
Wie weise ich nach, dass mein Internet zu langsam ist?
Mit der kostenlosen Breitbandmessung Desktop-App der Bundesnetzagentur. Die offizielle Messkampagne umfasst 30 Messungen in 14 Tagen, verteilt auf drei verschiedene Kalendertage mit je zehn Messungen, mindestens fünf Minuten Abstand zwischen zwei Messungen und mindestens drei Stunden zwischen der fünften und der sechsten. Am Ende erhältst du ein Messprotokoll, das als Nachweis gegenüber dem Anbieter dient. Ein gewöhnlicher Speedtest zählt nicht.
Was kann ich verlangen, wenn meine Leitung zu langsam ist?
§ 57 TKG sieht eine Minderung des Entgelts im Verhältnis zur festgestellten Abweichung vor, oder eine außerordentliche Kündigung, wenn der Anbieter nicht abhilft. Diese Rechte musst du direkt gegenüber dem Anbieter geltend machen, mit dem Messprotokoll. Bei Blockade ist ein Schlichtungsantrag bei der Bundesnetzagentur möglich. Dies ist keine Rechtsberatung.
Bremst das WLAN wirklich die Verbindung?
Oft ja — es ist sogar die häufigste Ursache. Entfernung zum Router, dicke Wände, alter Router, überfülltes 2,4-GHz-Band: Das WLAN begrenzt lange vor der Leitung. Ein Netzwerkkabel oder ein besserer Standort für den Router kostet weniger als ein schnellerer Tarif. Auch deshalb schreibt das offizielle Verfahren technische Bedingungen vor.
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